Kinderarzt

Dramaqueens und Zornbolde – 7 Tipps wenn Ihr Kind beim Kinderarzt brüllt!

Kinder schreien beim Kinderarzt gerne einmal oder wehren sogar eine Untersuchung so ab, dass sie auch von versierten Ärzten kaum mehr mit sicherem diagnostischem Ergebnis durchgeführt werden kann. Das letztere ist auch das eigentliche Risiko, das in einem Kinderarztbrüller steckt, und weit wichtiger als eventuelle Peinlichkeiten für die begleitenden Eltern. Zunächst einmal: Die Kinder dürfen das. Im Alter von 9 Monaten bis 24 Monaten ist abwehrendes Verhalten eher die Regel als die Ausnahme. Es ist natürlicher Selbsterhaltungstrieb („ich schütze meinen Körper vor Schmerz oder Verletzung“), häufig kombiniert mit einer ersten Phase der Selbstabgrenzung („Fremdeln“). Nach dem Alter von 2 Jahren ist ein abwehrendes und vor allem heftig schreiendes Verhalten beim Arzt zunehmend ungewöhnlicher. Man findet es später eher bei hysterisch veranlagten Kindern. Eine eigentliche Angst vor der Praxis tritt immer mehr in den Hintergrund und die „Show“, die Chance, im Mittelpunkt zu stehen und den eh schon gestressten Eltern die eigene Macht zu demonstrieren tritt in den Vordergrund. Doch was tun, wenn Ihr Kind beim Kinderarzt immer zur Dramaqueen oder zum Zornbold mutiert? Es geht ja immerhin um zuverlässige Diagnostik. Die Kinderärzte empfehlen:

  • Entspannen Sie sich! Leicht gesagt. Aber Sie haben sich dieses Verhalten nicht ausgesucht. Es ist deshalb auch niemals ein „Erziehungsfehler“, der Ihnen vorgeworfen werden kann.
  • Machen Sie sich aber auch klar dass in der Regel Sie als Eltern die Zielperson für die „Show“ Ihrer Dramaqueens und Zornbolde sind und nicht Kinderarzt oder Praxismitarbeiter, Ihre Reaktion ist somit die entscheidende.
  • Vermindern oder verändern Sie das Zuschauerfeld für die Show – die Anwesenheit nur eines Elternteils ist häufig günstiger („je mehr Auditorium desto mehr Show“). Es kann sogar hilfreich sein, dass kein Elternteil, sondern eine Tante oder eine Oma mit Ihrem Kind kommt.
  • Geben Sie ruhige und klare Aufträge, zeigen Sie keine Unsicherheit, setzen Sie die Untersuchung durch, sonst verstärkt sich hysterisches Verhalten langfristig. Sie dürfen da konsequent sein. Das ist keine Lieblosigkeit.
  • Seien Sie ehrlich zu Ihrem Kind, gerade wenn es unangenehm sein kann. Wenn Sie etwa versprochen haben dass es keinen „Pieks“ gibt, dann sollte es auch in der Praxis keinen Pieks geben.
  • Belohnen Sie mit anerkennenden Worten und nur in Ausnahmefällen mit Geschenken. Sie müssen Ihr Kind nicht „bezahlen“ für eine Routinebehandlung in der Praxis.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt offen über die Problematik, um eine gemeinsame Lösung zu finden.

Auch wenn diese Maßnahmen vielleicht nicht sofort ein Wunschergebnis erbringen – der gewünschte Erfolg zeigt sich manchmal erst mittelfristig – ohne diese Maßnahmen wird sich das Verhalten langfristig eher verstärken. DrGH

Warum wir Kinderärzte geworden sind…

Kennen Sie den Witz: „Ach Sie sind Kinderarzt? Und wann werden Sie richtiger Arzt?“

Ja! Wir warten schon lange darauf, dass aus uns endlich richtige Ärzte werden!!!! Auch wenn wir fürchten dass das nie passieren wird…

Aber Spaß beiseite! Es ist ein wahnsinnig schöner Job Kinder medizinisch zu betreuen. Und jetzt, heute und hier wollen wir das Geheimnis lüften, warum wir uns für diese Laufbahn entschieden haben.

Vorab vielleicht ein Überblick, wie man Kinderarzt wird. Danach das Warum.

Wie wird man Kinderarzt oder -ärztin?

  • Am Anfang steht das mindestens 6-jährige allgemeine Medizinstudium
  • Daran schließt sich die mindestens 5-jährige Facharztweiterbildung an, die zur Facharztbezeichung Kinderarzt/-ärztin (oder Facharzt/-ärztin für Kinder- und Jugendmedizin, wie es offiziell heißt) führt
  • Nach erfolgter Facharztweiterbildung sind dann weitere, teils mehrjährige, Spezialisierungen möglich, also z.B. in Kinderkardiologie, Psychosomatik oder in besonderer Ultraschalldiagnostik

Und warum wird man nun Kinderarzt oder -ärztin?

Also – warum haben wir uns nun dieser langen Aus- und Weiterbildungszeit unterzogen?

Dr. Gerald Hofner:

Kinderheilkunde ist eine wunderbare Mischung aus einem „Hausarzt“ für die Fragen der Familien zu ihren Kids und einem „Facharzt“ für die besonderen Entwicklungsfragen. Und wenn dann noch eine Spezialisierung (bei mir Kinderkardiologie und Kinderpneumologie) eine Vertiefung in einem besonderen Bereich ermöglicht, wird die berufliche Herausforderung endgültig befriedigt. Ein Fach voller Möglichkeiten.

Vor allem ist es aber etwas unglaublich Schönes, mit Kindern zu arbeiten. Da lebt die Arbeit. Da ist so viel Lachen und Fröhlichkeit. Selbst wenn sie krank sind, der grundsätzliche Lebenswille bleibt den Kindern unbenommen.

Dies möchte ich nicht missen, trotz der oft knappen Zeit, trotz der langen Ausbildung, trotz der Bürokratie. Und trotz der manchmal belastenden Fälle. Oder gerade deswegen. Es lebt. Wenn ich mir so einen Montagmorgen in unserer Praxis ansehe, dann lebt es sogar gewaltig. Sie leben, die Kinder! Und ich mit ihnen. Die Entscheidung war richtig.

Dr. Stefan Schwarz:

Als niedergelassener Kinderarzt ist man ein Lebens-Begleiter von der Geburt bis zum Erwachsensein. Es ist wunderbar und spannend, wie die Kinder sich entwickeln, welche Talente und Stärken sich zeigen, wie sich ihre Persönlichkeit entwickelt, welche Entscheidungen die Kinder treffen und welche Wege sie einschlagen auf ihrem Weg in ein selbst bestimmtes und eigenständiges Leben. Die Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten, ihnen bei gesundheitlichen Fragen oder Problemen zu helfen, aber auch den psychosozialen Aspekt dabei im Blick zu behalten, ist eine wundervolle Aufgabe mit einem immens breiten Spektrum.

Die Kinder- und Jugendmedizin ist ein Thema, in dem man immer dazu lernen kann und Neues entdeckt, ein Thema, das einen selbst jung hält. Ich denke, daß wir von Kindern als Erwachsene viel über das Leben generell und über uns selbst lernen können.

Als Kinderarzt ist man aber auch ein Familienarzt, denn wie es den Eltern, Großeltern, Geschwistern oder der Familie insgesamt geht, hat ja entscheidenden Einfluß auf das Leben und Wohlbefinden der Kinder.

Zugegeben, es ist ein sehr anstrengender Beruf. Dennoch: Ich würde mich auf jeden Fall wieder dafür entscheiden, Kinderarzt zu werden.

Noch Fragen? 🙂

DrGH/DrS