Hochsensibilität

Zum Umgang mit hochsensiblen Kindern

Hat man erkannt, dass man ein hochsensibles Kind hat, erleichtert dies den Umgang und stellt zunächst eine Entlastung für Eltern und Kind dar, da viele Situationen nun erklärbar erscheinen. Da das Kind mit zunehmendem Alter jedoch mit immer mehr verschiedenen Bezugspersonen und auch fremden Menschen in Kontakt kommt, die – da äußerlich nicht erkennbar – nichts von seiner Hochsensibilität wissen, ist es notwendig, dem Kind Strategien mit auf den Weg zu geben, die ihm das Leben in unserer Gesellschaft erleichtern.

· Konfrontation mit schwierigen Situationen:
Hilft man dem Kind, bekanntermaßen schwierige Situationen zu meistern, kann es erleben, dass es in der Lage ist, diese gefahrlos zu bewältigen. Dadurch wird das Selbstbewusstsein gestärkt und die Erfahrung kann im Laufe der Zeit auch auf andere Situationen übertragen werden.
· Umweltreize filtern:
Befindet man sich in einer Situation, in der viele äußere Reize (Geräusche, Gerüche, Farben…) auf das Kind einwirken, kann man es auf einzelne Sinneseindrücke hinweisen, auf die es sich konzentrieren soll. So kann das Kind lernen, die Reize zu filtern – wobei es immer deutlich mehr wahrnehmen wird als andere.
· Rückzugsräume schaffen:
Am wichtigsten ist es, bei den ersten Anzeichen einer Überreizung des Kindes (als enge Bezugsperson lernt man schnell, diese zu erkennen) eine Rückzugsmöglichkeit zu schaffen, indem man z.B. einen ruhigen Raum aufsucht und dort etwas vorliest oder etwas ähnlich Entspannendes mit dem Kind macht. Im Laufe der Zeit sollte sich das Kind dann auch alleine beschäftigen. So kann es einerseits lernen, wann seine Aufnahmekapazität erreicht ist und es Ruhe braucht. Andererseits ist es dann auch in der Lage, die entlastende Situation alleine zu gestalten.
Abschließend sei noch angemerkt, dass Erzieher/innen und Lehrer/innen meist dankbar für einen Hinweis auf besondere Charaktereigenschaften von Kindern sind, da sie zwar in der Regel durchaus erkennen, dass die Kinder anders als erwartet reagieren, bei der oftmals großen Zahl der zu betreuenden Kinder das Verhalten aber häufig nicht richtig einordnen können – dies ist ja sogar für die Eltern, die sich auf das einzelne Kind konzentrieren können, zunächst nicht immer einfach.
B. Ehlenberger

Wir danken unserer Gastautorin B. Ehlenberger, Gymnasialpädagogin, für diesen Beitrag.
DrS

Hochsensible Kinder

Immer häufiger hört und liest man in den Medien (u.a. auch schon in diesem Blog) von hochsensiblen Kindern. Viele Eltern werden sich allerdings die Frage stellen, wie man erkennen kann, ob man ein hochsensibles Kind hat oder nicht.

An dieser Stelle sollen einige Aspekte dargestellt werden, welche Hinweise auf eine Hochsensibilität sein können:

Bei sehr kleinen Kindern im Säuglingsalter ist eine Hochsensibilität noch schwer zu erkennen. Lediglich eine extreme Wachsamkeit und sehr schnelle Überreizbarkeit können darauf hindeuten, dass das Kind hochsensibel auf seine Umwelt reagiert.

Deutlicher werden die Anzeichen, wenn sich das Kind in einer größeren Gruppe bewegt – sei es in der Krippe oder im Kindergarten:

· Strömen sehr viele Reize auf die Kinder ein, die nicht gefiltert werden können, kann es zum Auftreten plötzlicher Schreiattacken ohne erkennbaren äußeren Anlass kommen.
· Besondere Herausforderungen stellen für hochsensible Kinder Übergänge im Tagesablauf (z.B. vom Freispiel zur Brotzeit) dar.
· In für sie neuen Situationen (z.B. bei geplanten Ausflügen) wirken hochsensible Kinder häufig überängstlich.
· Dies gilt auch für potentiell gefährliche Situationen (z.B. beim Betreten einer Eisfläche oder beim Klettern), da hochsensible Kinder das Gefahrenpotential analysieren und erkennen, während andere Kinder völlig unbekümmert an die Situation herangehen.
· Objektiv gesehen kleine Verletzungen werden aufgrund des erhöhten Schmerzempfindens als äußerst dramatisch erlebt.
· Auch die anderen Sinne (Hören, Schmecken, Sehen, Fühlen) erscheinen oftmals sehr geschärft.
· Hochsensible Kinder nehmen die Gefühle und Wünsche anderer häufig sehr genau wahr und versuchen sich entsprechend anzupassen, um ihr Gegenüber nicht zu enttäuschen.
Es würde den Rahmen dieses Blogs sprengen, das Thema „Hochsensibilität“ umfassend zu erläutern. Wenn Eltern jedoch aufgrund der oben dargestellten Anzeichen die Vermutung haben, ihr Kind könnte hochsensibel sein, ist es in jedem Fall lohnenswert, sich näher mit der Thematik zu beschäftigen. An dieser Stelle sei hier verwiesen auf den detaillierten Kriterienkatalog und das Buch „Das hochsensible Kind“ von Elaine N. Aron, das hilft, für viele Situationen ein besseres Verständnis zu erlangen. Dies entlastet Eltern, die dann wissen, warum das Kind entsprechend reagiert, und auch das Kind, auf dessen Bedürfnisse besser eingegangen werden kann .

DrS / B. E.