Erkältung

Schnupfen ist eine Krankheit, Husten ein Symptom!

Die Kinderärzte erklären:

Schnupfen (oder medizinisch „Rhinitis“) ist eine Entzündung der Nasenschleimhaut, die zu den bekannten Symptomen der Schleimabsonderung und der verstopften Nasengänge führt. Damit ist es eine eigenständige Krankheit. Die Ursache kann infektiös sein, oder auch allergisch.

Infektiöse Auslöser sind am häufigsten Viren, seltener auch Bakterien. Weil Schnupfen sich häufig nach einigen Tagen von selbst bessert ist meist keine Behandlung nötig. Bei Beteiligung der mit der Nase verbundenen „Kopfhohlräume“, also des Mittelohres oder der Nebenhöhlen, kann aber auch einmal eine Therapie nötig sein, insbesondere bei bakterieller Ursache.

Husten ist dagegen keine Krankheit, sondern ein Symptom. Genau genommen ist Husten sogar eine gesunde Reaktion, denn der Körper wurde mit einem Hustenreflex ausgestattet um die wichtigen Atemwege frei zu halten und so die lebensnotwendige Luftversorgung der Lunge abzusichern.

Allerdings zeigt Husten natürlich häufig eine Krankheit an. Krankheiten, die hinter Husten stehen können, sind sehr vielfältig. Im einfachsten Fall ist es der Schnupfen durch Erkältungsviren. Husten ist dann ein Schutzreflex um das Sekret aus den tieferen Atemwegen fernzuhalten. Häufig ist Husten aber auch das Symptom einer Entzündung der Luftröhre, des Kehlkopfes, der Bronchien oder sogar der Lunge. Auslöser sind auch hier häufig Erkältungsviren, es können aber auch schwerwiegende bakterielle Infektionen sein die eine besondere Behandlung benötigen. Hinter Husten kann auch eine Allergie stehen, dann meist als Asthma, oder ein eingeatmeter Fremdkörper. Außerdem gibt es noch einige seltenere Hustenkrankheiten.

Lesen Sie zu diesem Dauerthema des Winterhalbjahres auch unser Interview mit Prof. Dr. med. Theodor Zimmermann, dem emeritierten Leiter der Abteilung für Kinderpneumologie an der Universität Erlangen-Nürnberg.

DrGH

Das Interview – heute mit dem Kinderlungenspezialisten Professor Dr. Theodor Zimmermann

Die Hustensaison ist gekommen! Für unser aktuelles Interview haben wir uns deshalb um einen Fachmann für die Kinderlunge bemüht. Wir freuen uns, dass wir dieses Interview mit Professor Dr. med. Theodor Zimmermann führen dürfen, dem emeritierten Leiter der Abteilung für Kinderpneumologie am Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg.

Test Zimmi.,

Herzlich willkommen bei unserer Fragerunde, lieber Professore. Wir freuen uns dass Sie sich bereit erklärt haben unseren Lesern aus Ihrer praktischen wie wissenschaftlichen Sicht einiges zum dunklen Winterthema „Husten“ erhellen wollen. Ja, was ist Husten eigentlich genau?

passbild10,3kb,jpg   Husten ist ein Schutzmechanismus der Lunge und der Atemwege, um zum Beispiel Fremdmaterial nach Verschlucken aus den Atemwegen zu entfernen oder um die Atemwege bei vermehrter Schleimbildung bei den häufigen viralen Infekten zu reinigen.

Husten kann aber auch durch Entzündungsreaktionen an den Atemwegen auftreten, keinen Schleim fördern und mit Schmerzen einhergehen, zum Beispiel bei einer Luftröhrenentzündung. Ein Krupphusten tritt auf, wenn eine Entzündungsreaktion im Bereich des Kehlkopfes zu einer Verengung der Luftröhre führt.

Und warum hustet es gerade im Winter in jedem Kindergarten um die Wette?

passbild10,3kb,jpg   Das körpereigene Abwehrsystem ist ein Schutzmechanismus gegen verschiedene Erkrankungen. Dieses Abwehrsystem „lernt“ mit zunehmendem Alter des Kindes verschiedene Krankheitserreger kennen und kann dadurch gegen diese Krankheitserreger einen Schutzmechanismus aufbauen. Dieses „Lernen“ ist im Kindergartenalter besonders ausgeprägt, so dass die Kinder in dieser Altersgruppe besonders häufig insbesondere an Virusinfekten der Atemwege erkranken.

Das klingt ja erst einmal harmlos. Aber was kann denn noch hinter Husten stecken?

passbild10,3kb,jpg   Husten kann auch auf angeborene Störungen der Lungen, der Atemwege aber auch des Herz-Gefäßsystems hinweisen. Beispiele hierfür sind eine weiche, instabile Luftröhre, Blutgefäße oder ein vergrößertes Herz, die auf die Atemwege drücken oder Lungensequester, die mit widerholten Lungenentzündungen einhergehen. Insbesondere bei Kleinkindern können durch verschluckte Fremdkörper heftige Hustenbeschwerden und auch Atemnot auftreten. Erdnüsse wären hier ganz typisch. Derartige Aspirationsereignisse müssen möglichst umgehend dem Arzt mitgeteilt werden.

Wann sollte ein hustendes Kind denn dann beim Arzt vorgestellt werden?

passbild10,3kb,jpg   Bei lang anhaltenden Hustenbeschwerden, also länger als 14 Tage, bei Fieber über 38 Grad Celsius, bei beschleunigter Atmung, bei pfeifenden oder rasselnden Atemgeräuschen während des Hustens aber auch bei Ruheatmung. Bei Blässe und Luftnot des Kindes, bei Auftreten von blauen Lippen. Im Zweifel immer dann, wenn die Eltern in der Beurteilung des Kindes unsicher sind und/oder das Kind noch sehr klein ist.

Warum sind Schleimlösern bei Husten meist entbehrlich?

passbild10,3kb,jpg   Virale und bakterielle Infekte gehen meist mit vermehrter Schleimproduktion und zähem Schleim in den Atemwegen einher. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, etwa warmer Tee, trägt zu einer ausreichenden Schleimlösung bei. Auch bei der Anwendung von Schleimlösern ist die gleichzeitige Gabe von ausreichend Flüssigkeit notwendig.

Gibt es denn auch erfolgreiche Hausmittelchen um Hustenreiz zu stillen?

passbild10,3kb,jpg   Das Trinken von reichlich warmer Flüssigkeit kann den Hustenreiz vermindern, zum Beispiel wäre ein Salbei-Thymian-Honigtee oder ein Bronchialtee hierfür geeignet. Das Aufhängen von feuchten Tüchern oder das Anlegen von warmen Brustwickeln sind weitere geeignete „Hausmittelchen“.

Kann man gegen Husten impfen?

passbild10,3kb,jpg   Es gibt Impfungen gegen Grippe, Keuchhusten, Hämophilus oder gegen Pneumokokkeninfektionen. Bei gefährdeten Kleinkindern kann mit „Palivizumab“, einem monoklonalen Antikörper, ein vorübergehender Schutz gegen RSV-Infektionen gegeben werden. Als gefährdet gelten zum Beispiel Frühgeborene oder Kinder mit Herzfehlern.

Wir bedanken uns für diese Auskünfte vom Fachmann, lieber Herr Professor Zimmermann, und wünschen Ihnen eine gesegnete Adventszeit.

DrGH, DrS