Erziehung

Themen rund um die Erziehung von Kindern und Jugendlichen

Fernsehen macht dick – kein Gerücht

Die Kinderärzte berichteten an dieser Stelle schon über Übergewicht, leider ein zunehmend brisantes Thema bei Kindern.

Übergewicht hat viele negative Folgen und ist sicher durch viele Faktoren begründet. Die WHO warnt vor einer weltweiten Übergewichtsepidemie. Ein Grund ist der Bewegungsmangel, unter dem heute viele Kinder leiden. Forscher der Universität Virginia zeigten nun an über 11.000 Kindern, dass bereits ein täglicher TV-Konsum von einer Stunde zu einer ungesunden Gewichtsentwicklung führt. Je länger die Kinder fernsehen, umso mehr steigt das Risiko, Übergewicht zu entwickeln.
Da Fernsehen für Kinder nicht nur im Zusammenhang mit dem Gewicht als durchaus problematisches Thema zu bewerten ist, lautet die Botschaft, den Medienkonsum erst spät zuzulassen und inhaltlich, aber auch zeitlich eindeutig zu beschränken. Damit tun wir Eltern den Kindern nichts Schlechtes an, sondern bewirken im Gegenteil viel Gutes, gesundheitlich, bezüglich der Entwicklung und unter vielen anderen Aspekten.
Und wie herrlich ist es schließlich, einen Nachmittag mit Spielen, draußen Toben, Basteln, Legobauen oder was auch immer zu verbringen! Und nicht immer muss es ein ausgetüfteltes Programm sein, um den Tag dennoch mit Schönem, Bewegung, Spaß und Inhalt zu füllen und zu einer gelungenen, guten, abwechslungsreichen und wertvollen Zeit werden zu lassen. Und schon sinkt das Risiko für Übergewicht…

DrS

Hochsensible Kinder

Immer häufiger hört und liest man in den Medien (u.a. auch schon in diesem Blog) von hochsensiblen Kindern. Viele Eltern werden sich allerdings die Frage stellen, wie man erkennen kann, ob man ein hochsensibles Kind hat oder nicht.

An dieser Stelle sollen einige Aspekte dargestellt werden, welche Hinweise auf eine Hochsensibilität sein können:

Bei sehr kleinen Kindern im Säuglingsalter ist eine Hochsensibilität noch schwer zu erkennen. Lediglich eine extreme Wachsamkeit und sehr schnelle Überreizbarkeit können darauf hindeuten, dass das Kind hochsensibel auf seine Umwelt reagiert.

Deutlicher werden die Anzeichen, wenn sich das Kind in einer größeren Gruppe bewegt – sei es in der Krippe oder im Kindergarten:

· Strömen sehr viele Reize auf die Kinder ein, die nicht gefiltert werden können, kann es zum Auftreten plötzlicher Schreiattacken ohne erkennbaren äußeren Anlass kommen.
· Besondere Herausforderungen stellen für hochsensible Kinder Übergänge im Tagesablauf (z.B. vom Freispiel zur Brotzeit) dar.
· In für sie neuen Situationen (z.B. bei geplanten Ausflügen) wirken hochsensible Kinder häufig überängstlich.
· Dies gilt auch für potentiell gefährliche Situationen (z.B. beim Betreten einer Eisfläche oder beim Klettern), da hochsensible Kinder das Gefahrenpotential analysieren und erkennen, während andere Kinder völlig unbekümmert an die Situation herangehen.
· Objektiv gesehen kleine Verletzungen werden aufgrund des erhöhten Schmerzempfindens als äußerst dramatisch erlebt.
· Auch die anderen Sinne (Hören, Schmecken, Sehen, Fühlen) erscheinen oftmals sehr geschärft.
· Hochsensible Kinder nehmen die Gefühle und Wünsche anderer häufig sehr genau wahr und versuchen sich entsprechend anzupassen, um ihr Gegenüber nicht zu enttäuschen.
Es würde den Rahmen dieses Blogs sprengen, das Thema „Hochsensibilität“ umfassend zu erläutern. Wenn Eltern jedoch aufgrund der oben dargestellten Anzeichen die Vermutung haben, ihr Kind könnte hochsensibel sein, ist es in jedem Fall lohnenswert, sich näher mit der Thematik zu beschäftigen. An dieser Stelle sei hier verwiesen auf den detaillierten Kriterienkatalog und das Buch „Das hochsensible Kind“ von Elaine N. Aron, das hilft, für viele Situationen ein besseres Verständnis zu erlangen. Dies entlastet Eltern, die dann wissen, warum das Kind entsprechend reagiert, und auch das Kind, auf dessen Bedürfnisse besser eingegangen werden kann .

DrS / B. E.

Keine Angst vor dem Zahnarzt!

Die Kinderärzte sprechen mit Kindern und Eltern oft über die Notwendigkeit zahnärztlicher Prophylaxe, Kontrolle und Behandlung. Oft wird auch gefragt, wie man die Kinder auf Zahnarztbesuche vorbereiten sollte.
Dazu gibt es einige Tipps, die übrigens auch für andere Bereiche der Medizin, also auch für den Kinderarztbesuch, gelten:
– Der wichtigste Punkt ist, dass die Eltern ein angstfreies Vorbild sind bzw. ihre eigene Angst nicht auf die Kinder übertragen. Kinder nehmen auch nonverbale Signale deutlich wahr!
– Gehen Sie nicht erst, wenn eventuell schmerzhafte Behandlungen anstehen. Kontrollen sind medizinisch sinnvoll, machen die Normalität eines Zahnarztbesuches klar, führen zu Gewöhnung und bauen Ängste ab.
– Planen Sie ausreichend Zeit für den Zahnarztbesuch ein, Hetzte führt zu Stress und lässt denn Besuch eventuell misslingen.
– Machen Sie keine falschen Versprechungen, sondern bereiten Sie das Kind spielerisch, eventuell auch mit einem Buch, auf den Zahnarztbesuch vor. Oder spielen Sie die Situation mit dem Kuscheltier vor. Es sollte aber auch kein Thema sein, das zu breiten Raum einnimmt.
– Drohen Sie nicht mit dem Zahnarzt, wenn das Kind zum Beispiel beim Zähneputzen nicht mitmacht. Es wird sonst natürlich Angst aufbauen. Motivieren Sie lieber positiv.
– Der Termin sollte spielerisch ablaufen, dies wird Ihr Zahnarzt sicher so gestalten.
– Loben Sie Ihr Kind am Ende des Zahnarztbesuches. Riesige Belohnungen am Schluss wecken unrealistische Erwartungen, stellen den Besuch auch zu sehr heraus und sind nicht sinnvoll.
So vorbereitet wird der Arztbesuch gute Voraussetzungen haben, um für alle, insbesondere das Kind, gut zu verlaufen.

DrS

Einzelkind auf Zeit

Der Alltag von Familien mit mehreren Kindern ist – gerade wenn sich die Kinder gut verstehen – häufig dadurch gekennzeichnet, dass relativ viel Zeit gemeinsam verbracht wird.
Einerseits stellt es für die Eltern eine Erleichterung dar, wenn die Kinder sich miteinander beschäftigen, weil sie dadurch zeitlich entlastet werden. Andererseits macht man auch viele gemeinsame Unternehmungen, v.a. wenn die Kinder vom Alter und ihren Interessen her nicht allzu weit auseinander liegen. Dies ist natürlich wichtig, da gemeinsame Erlebnisse das Zusammengehörigkeitsgefühl von Familien stärken.
Allerdings sollte man auch immer wieder Zeit einplanen, die – je nach den organisatorischen Möglichkeiten – ein oder beide Elternteile mit nur einem Kind verbringen. Geschwisterkinder, die noch nicht alt genug sind, um alleine zu Hause zu bleiben, werden in der Zeit z.B. von Großeltern, anderen Verwandten, bei Schulfreunden oder von einem Elternteil beaufsichtigt. Um Neid unter den Geschwistern zu vermeiden, sollten natürlich alle Kinder mal als „Einzelkind“ dran sein.
Der kurzfristige Einzelkindstatus hat für Eltern und Kinder nur positive Auswirkungen. So können Eltern ihr Kind wesentlich individueller wahrnehmen als im Zusammenspiel mit den Geschwistern, wo man doch eher zum Vergleichen neigt, was dazu führt, dass man ein Kind manchmal unter- oder überschätzt bzw. unter- oder überfordert. Vor allem ist es aber für die Kinder eine äußerst postive Erfahrung, wenn sie – zeitlich begrenzt – im Mittelpunkt stehen dürfen. Überlässt man die Planung der „Einzelkindzeit“ – dem Alter angemessen – dem Kind, fühlt es sich wahr- und mit seinen Wünschen ernstgenommen, was für das Selbstwertgefühl sehr wichtig ist.
Auch wenn es organisatorisch etwas mehr Aufwand bedeuten mag – von Papa/Mama/Eltern-Kind-Zeit können alle profitieren!

B. Ehlenberger

Wir danken für diesen Gastbeitrag. Übrigens: Meine Kinder lieben diese Tage ganz besonders!
DrS

Lesen # 3: Auswahl von Büchern (Gastbeitrag)

Um geeignete Bücher für Kinder zu finden, muss man sicherlich unterscheiden, ob ein Kind gerne und viel liest oder ob es lieber einen großen Bogen um Bücher aller Art macht.

Viel-Leser
Bei den Viel-Lesern geht es oftmals darum, sie neugierig auf unterschiedliche Geschichten zu machen, da sie sich häufig auf eine Richtung (z.B. Krimis) festgelegt haben. Am besten geht dies beim Schmökern in einer Bücherei, weil hier – anders als in den meisten Buchhandlungen, wo häufig nur die bekanntesten Autoren oder Buchreihen stehen – auch ausgefallenere oder ältere Bücher zu finden sind.

Lesemuffel
Anders schaut die Sache bei den Lesemuffeln aus. Hier ist das Schmökern sicher keine zielführende Strategie, weil die Kinder von der Fülle von Büchern einfach überfordert sind.
Einen guten Einstieg ins Lesen bieten Kinderzeitschriften, da die Texte relativ kurz gehalten sind und durch zahlreiche Bilder veranschaulicht werden. Je nach Interesse und Alter des Kindes kann man hier geeignete Zeitschriften auswählen.
Hilfreich kann es auch sein, sich zu informieren, welche Buchreihen von den Klassenkameraden aktuell gelesen werden, da der Austausch über die Inhalte der Bücher motivierend wirken kann.

Für alle
Für alle Arten von Lesern unter Kindern und Jugendlichen ist bei der Auswahl von Büchern ein Blick ins Internet sinnvoll. Hier gibt es z.B. auf der Seite der Stiftung Lesen (www.stiftunglesen.de) Leseempfehlungen für Bücher und Zeitschriften, wobei man gezielt nach Altersgruppen und Themen suchen kann. Auch auf der Seite des – sicher vielen aus der Schule bekannten – Leseförderprogramms Antolin (www.antolin.de) finden sich zahlreiche Buchempfehlungen.
Natürlich kann man sich auch in einer Buchhandlung oder Bücherei beraten lassen.

Und zum Schluss noch ein Tipp für ein Buch, das – so paradox es auch klingen mag – extra für Nicht-Leser geschrieben wurde:
Tommy Greenwald: Charlie Joe Jackson – Lesen verboten!

B.E.

Wir danken unserer Gastautorin B. Ehlenberger, Gymnasialpädagogin, für diesen Beitrag.
DrS

Lesen # 2: Bedeutung des Lesens (Gastbeitrag)

Hat man einen kleinen Lesemuffel zu Hause, stellt man sich unweigerlich regelmäßig die Frage, warum man sich immer wieder bemühen soll, den Leseverweigerer doch dazu zu bringen, ein Buch in die Hand zu nehmen und darin wenigstens ein paar Seiten zu lesen.
Auch wenn es nicht jedermanns Sache ist, sich bei einem guten Buch auf dem Sofa zu entspannen – manch einer zieht hier vielleicht Musik oder auch den Fernseher vor – ist das Lesen eine elementare Fähigkeit für weite Teile unseres Lebens.
Jedes Kind muss sich in der Schule mit Texten auseinandersetzen – und zwar in allen Fächern. Ob es die Textaufgabe in Mathematik oder die Informationen über die Abholzung des tropischen Regenwaldes im Fach Geographie sind, es geht immer um das Verständnis von Texten. Und dieses sogenannte sinnentnehmende Lesen kann nur durch ständiges Üben erworben werden, wobei hierfür Sachtexte und Geschichten gleichermaßen geeignet sind.
Auch im Erwachsenenleben spielt das Lesen häufig eine wichtige Rolle. Die Auseinandersetzung mit Texten ist bei der Zeitungslektüre am Frühstückstisch, beim Surfen im Internet und auch bei der heutzutage wichtigen beruflichen Weiterbildung unumgänglich.
Also nicht vergessen: Wer viel liest, weiß viel und – noch wichtiger – kann auch immer wieder Neues erfahren!
B.E.

Wir danken unserer Gastautorin B. Ehlenberger, Gymnasialpädagogin, für diesen Beitrag!
DrS

Lesen # 1: Was tun mit Lesemuffeln? (Gastbeitrag)

„Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!“ – Diese oft lapidar dahingesagte Redewendung stellt eine ganz entscheidende Erkenntnis für die meisten Lebensbereiche dar.

Es gibt sicher viele Eltern, die sagen: „Kein Problem, mein Kind schleppt stapelweise Bücher aus der Bücherei nach Hause, um sie zu lesen.“ Ebenso viele Eltern stellen sich jedoch die Frage: „Wie bringe ich mein Kind bloß dazu, ein Buch zu lesen?“
Hinlänglich bekannt ist, dass das Vorlesen im Kleinkindalter sehr wichtig für die Entwicklung der Freude am eigenen Lesen ist. Trotzdem wird diese nicht bei allen Kindern ausgebildet.

Hier ein paar Tipps, wie Kinder den Spaß am Lesen entdecken können:
1) Buchauswahl: Nicht immer stimmen Eltern- und Kinderwunsch dabei überein. Hier gilt: Auch wenn es die fünfte Dinosauriergeschichte ist – Hauptsache, es wird überhaupt gelesen.
2) Interesse zeigen: Eltern können mit dem Kind ein kurzes Gespräch über das jeweils Gelesene führen. Eventuell liest man das Buch auch selbst, um gezielt Fragen dazu stellen zu können.
3) Anregungen zum kreativen Umgang mit der Geschichte geben: Das Kind kann ein Bild malen, die Geschichte weitererzählen oder die Situation mit Lego oder Playmobil nachspielen. Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Und ist die Lust am Lesen erst einmal geweckt, begleitet sie einen meist ein Leben lang!

B. Ehlenberger

Wir danken unserer Gastautorin, Birgitt Ehlenberger, Gymnasialpädagogin, für diesen Beitrag.
DrS

Schwimmen – keine Sportart wie jede andere

Die Kinderärzte und wohl alle Eltern kennen solche oder ähnliche Situationen: Beim Sonntagsspaziergang sitzt das Kind auf einmal mit den besten Kleidern mitten in der einzigen Pfütze weit und breit oder spritzt sich am Brunnen von oben bis unten nass, noch bevor ihn die Eltern überhaupt entdeckt haben. Da die enorme Anziehungskraft von Wasser auf fast alle Kinder hinlänglich bekannt ist, sind meist Wechselklamotten im Gepäck dabei, sodass das Problem dann schnell behoben ist.
Spätestens ab dem Grundschulalter, also ab dem Zeitpunkt, ab dem Kinder immer selbstständiger werden und damit auch unbeaufsichtigt unterwegs sind, muss man sich als Eltern aber Gedanken darüber machen, wie man Kinder vor der – im Vergleich zum nassen Hinterteil während des Sonntagsspaziergangs – nicht zu unterschätzenden Gefahr des Ertrinkens, die von Gewässern aller Art ausgeht, schützen kann. Verbote scheinen in diesem Zusammenhang wenig hilfreich, da Verbotenes bekanntermaßen erst recht reizvoll ist. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dass Kinder das Schwimmen lernen, keine Angst vor dem Wasser haben und sich sicher im Wasser fortbewegen können. Umso erschreckender erscheint es, dass 1/3 aller Schüler am Ende der Grundschule noch Nichtschwimmer sind!
Kinder können etwa ab 5 Jahren schwimmen lernen (vorher fehlt häufig noch die Kraft, um eine längere Strecke zu bewältigen). Man sollte nicht zu lange damit warten, mit dem Schwimmunterricht zu beginnen, da es den Kindern mit zunehmendem Alter immer peinlicher wird, wenn den Freunden und Klassenkameraden auffällt, dass sie nicht schwimmen können. Dies führt häufig dazu, dass alle möglichen Ausreden gefunden werden, um z.B. den Schwimmunterricht in der Schule zu schwänzen. Damit schwindet aber die Chance, dass das Schwimmen noch erlernt wird.
Wie viele andere Sportarten auch, macht Schwimmen Spaß und ist gesund. Darüber hinaus kann es aber im Notfall auch Leben retten – das eigene oder auch das anderer!

B. Ehlenberger

Wir danken unserer Gastautorin Birgitt Ehlenberger, Gymnasialpädagogin, für diesen Beitrag.
DrS

Smartphones – Kommunikationsmittel mit Suchtpotential

„Pling“ – kaum ein anderer eigentlich eher harmloser und unauffälliger Ton löst so schnelle, mitunter sogar hektische, Reaktionen aus wie der Benachrichtigungston eines Smartphones. Der Griff zur Tasche folgt prompt. Dies hängt auch damit zusammen, dass es durch diesen Ton im Gehirn zu einem Dopamin-Ausstoß kommt, der ein Glücksgefühl und damit verbunden auch den Wunsch nach Wiederholung zur Folge hat. Doch nicht nur hier zeigt sich das Suchtpotential des Smartphones. Es ist sogar möglich, dass Nutzer – ähnlich wie Nikotinabhängige – Entzugserscheinungen zeigen, wenn sie länger nicht kommunizieren können.

Eine gravierende Folge ist, dass die Konzentrationsfähigkeit deutlich nachlässt, da man häufig kontrollieren muss, ob man vielleicht den Benachrichtigungston verpasst hat und doch neue Nachrichten eingegangen sind. Außerdem werden oftmals Tätigkeiten unterbrochen, um Nachrichten zu lesen oder zu beantworten.

Gerade junge Menschen kommunizieren sehr viel mit dem Smartphone. So steigt der Anteil der Nutzer ab einem Alter von 12 Jahren sprunghaft auf deutlich über 80% an und junge Menschen unter 25 Jahren beschäftigen sich durchschnittlich vier Stunden täglich mit ihrem Smartphone. Diese Zahlen zeigen, wie stark das Leben der Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch das Kommunikationsmittel geprägt ist, aber auch wie groß die Gefahr der häufigen Ablenkung sowohl in der Schule als auch zu Hause bzw. unterwegs ist.

Hoffnung macht, dass sich 2/3 der Jugendlichen durchaus bewusst sind, dass sie zuviel Zeit mit dem Smartphone verschwenden. Hier können Eltern ansetzen, um ihren Kindern einen Weg zu einem sinnvollen Umgang mit dem Smartphone zu weisen. Dies kann gelingen, indem man Situationen festlegt, in denen die Jugendlichen ihr Smartphone ganz bewusst ausschalten, z.B.:

  • während der Hausaufgaben und der Vorbereitung auf den nächsten Unterrichtstag
  • während der gemeinsamen Mahlzeiten
  • nachts
  • während ein Buch gelesen oder gemeinsam ein Gesellschaftsspiel gespielt wird

Es lassen sich sicher noch mehr Situationen finden, für die man das Bewusstsein schaffen kann, dass auch eine ungestörte Zeit positiv empfunden werden kann.

B.E.

Wir danken unserer Gastautorin B. Ehlenberger, Gymnasialpädagogin, herzlich für diesen Beitrag.

DrS

Perfekte Kinder?

Bereits im 5. Jhd. v. Chr. stellte der griechische Arzt Hippokrates fest, dass sich Menschen hinsichtlich ihrer Charaktereigenschaften deutlich voneinander unterscheiden lassen. Bestätigen können dies auch die meisten Eltern mit mehr als einem Kind. Häufig hört man den Satz: „Die zwei sind ja so unterschiedlich!“ – und das, obwohl sie als Geschwister ja die gleichen genetischen Voraussetzungen haben und im selben sozialen Umfeld aufwachsen.

Es ist also eigentlich allgemein bekannt, dass Kinder in ihrem Verhalten und in ihrer Entwicklung einzigartig sind. Umso erstaunlicher erscheint es, dass sie heute immer häufiger mit z.T. fragwürdigen Normvorstellungen konfrontiert werden. Fallen sie durch das Raster, weil sie sich außerhalb der gesellschaftlichen, sehr eng gesteckten Norm bewegen, wird oftmals die Forderung nach einer Therapie laut. Während unruhige Kinder, die sich schlecht konzentrieren können und durch ihr Verhalten als Störenfriede empfunden werden, schon seit Längerem sehr schnell in die Gruppe „therapiebedürftiges ADHS“ einsortiert werden, ist in jüngerer Zeit ein deutlicher Anstieg der Autismus-Diagnosen zu verzeichnen – somit sind nun auch sehr ruhige, introvertierte Kinder in den Fokus der Therapeuten geraten.

Eine der wesentlichen Ursachen dafür, dass einzelne Charaktereigenschaften von Kindern als problematisch angesehen werden, liegt sicher in dem immer weiter um sich greifenden Streben nach Perfektion. So sollen auch die Kinder perfekt funktionieren – sie sollen offen, selbstbewusst, witzig, anpassungsfähig, intelligent …sein – die Liste ließe sich beliebig erweitern. Damit sind Kinder aber einerseits überfordert, und andererseits können sie ihre eigenen Anlagen und damit auch ihre Stärken nicht entfalten.

Um es deutlich zu machen: Es geht nicht darum, Kinder ohne Führung sich selbst zu überlassen, sondern darum, sie mit ihren Eigenheiten zu respektieren und diese nicht zu pathologisieren. Gleichzeitig muss man ihnen eine Hilfestellung geben, ihren Platz in einer Gruppe bzw. der Gesellschaft zu finden. Dabei bedarf es aber in der Regel keiner Therapie!

Hat man z.B. ein schüchternes Kind, so ist es besser, es nicht zu zwingen, vor einer Gruppe oder auch mit Fremden zu sprechen. Man sollte vielmehr Verständnis dafür zeigen, dass es dem Kind schwer fällt, sich laut zu äußern, es aber trotzdem immer wieder dazu ermuntern. Lobt man dann kleine Fortschritte, bekommt das Kind mehr Sicherheit und traut sich immer mehr zu. Allerdings wird eine gewisse Zurückhaltung anderen gegenüber oftmals bleiben, und dies ist auch völlig in Ordnung so.

B. E.

Wir danken unserer Gastautorin B. Ehlenberge, Gymnasialpädagogin, für diesen Beitrag.

DrS